Florian Rentsch, Blockupy und die englische Sprache

Das linke Kapitalismus-Kritikbündnis bedient sich rechter „Endlösungs“-Parolen, nennt unseren Flughafen einen Ort der „Deportation“, wo Menschen nach „Nationalität und Verwertbarkeit sortiert“ werden.

Kurz vor Blockupy war die regionale Bildzeitung investigativ drauf und hat den gemeinen Hessen darauf hingewiesen, dass Blockupy offensichtlich ein ganz mieser Chaotenhaufen auf Abwegen ist, weil man sich im Kontext der europäischen Aktionstage auf Plakaten des englischen Wortes für Abschiebung bediente und sich dann auch noch erdreistete Verwertbarkeit von potentieller Arbeitskraft in dieser unseren nationalstaatlich verfassten Welt qua Sinnbild Flughafen zu thematisieren. Skandal!

Das wäre an sich keine Erwähnung wert, wenn nicht der äußerst amüsante Florian Rentsch von der Spasspartei ins Spiel käme. In seiner Funktion als Hessischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung muss er natürlich auch seinen Senf zum Thema abgeben und zeigt dabei, dass ihm in Sachen Realsatire so schnell keiner was vormacht. Der sympathische Enddreißiger mit dem Charisma eines Bausparwerbespots für Fertighäuser, geht angesichts der geplanten Flughafen-Blockade anscheinend mächtig die Düse, daher liefert er zum entdeckten Skandal fix ein paar Sätze, die keinen Sinn machen, aber dafür richtig lustig sind:

„Man kann sich dafür nur schämen, dass der Begriff ‚Deportation‘ so geschichtsvergessen verwendet wird. Dass sich die Linken der Ausdrucksweise des NS-Regimes bedienen, ist ein Skandal.“

Ein Jurist also, der durchaus in seinem Leben mal den einen oder anderen Text in einer fremden Sprache gelesen haben dürfte, findet die Verwendung von deportation, also des englischen Begriffs für Abschiebung, geschichtsvergessen und dass man sich dieser Ausdrucksweise bedient, ist für ihn ein Skandal. Das ist doch ein wenig überraschend, denn traditionell haben die FDP bzw. Anwälte, die Mitglieder in der FDP sind, doch ein funktionelles bis gutes Verhältnis zum Deportieren an sich. Aber darüber reden, das mögen sie einfach nicht.

Hallo Modebloggerprekariat!

Im Jahr 2012 entscheidet sich dann auch die eher trutschig daherkommende Plattform mode.net (laut Selbstauskunft “DAS Netz-Magazin für Mode & Style”) irgendwas mit Bloggen zu machen. Und wo sucht bzw. findet man jemanden, der “avantgardistische Outfits” trägst, eine Leidenschaft für die Erstellung guten contents und Bock hat sich nach allen Regeln der Kunst ausbeuten zu lassen? An der UDK!

Für 400 € monatlich erwarten wir circa 50 Texte à 300 Wörter.

Das sind ungefähr 2000 Zeichen pro Text, macht pro Monat 100.000 Zeichen. Wenn man nun von 20 Arbeitstagen pro Monat ausgeht, sind das 5000 Zeichen pro Tag (ein klassischer Nebenjob also), die mit fürstlichen 400 Euro (Soviel bekommt der durchschnittliche Mode- und Styleblogger wahrscheinlich für die Berichterstattung zur Insgesichtschmierung von Creme XY mit der neuen Superpflegeformel) belohnt werden. Die Dreistigkeit kennt keine Grenzen…

Von Prinzessinnen und Superhelden…

Riley ist wütend. Aus Gründen.

Frau Schweinemett blickt auf: Arbeit

Die blanke Panik blitzte aus meinen Augen. So hatte ich mir das aber nicht vorgestellt! Ich saß wie ein verschrecktes Kaninchen auf einem kleinen Holzstuhl vor meinem Häuptling. Mitten im Kreuzverhör. Mein Bein zuckte kurz, ich war in der Versuchung, den Tisch umzuwerfen und zu rufen: „Nein! Ich hab keinen Bock auf die Scheiße!“ Aber ich war schon längst angekommen im Hamsterrad. Hatte nicht den Arsch in der Hose, den Tisch umzuwerfen. Read the rest of this entry »

Stille Post

Liebe Spex,

wir kennen das ja schon von euch, dass ihr einfach Texte druckt, bei denen ihr aus Versehen den Credit vergesst.

Wir würden an dieser Stelle allerdings gerne dann doch darauf hinweisen, dass wir euch natürlich keinen Leserbrief geschrieben haben, sondern uns lediglich über die schier grenzenlose Merkbefreitheit der Grether-Schwestern amüsierten.

Dennoch viel Glück in den nächsten Monaten. Wir wünschen es nämlich (fast) keinem Magazin, dass es eingestellt wird.

Liebe Grüße,

deine HATE.

(diesmal wirklich)

Boycott Biennale!

Heute beginnt in Berlin das große Kunstspektakelwochenende; neben dem Gallery Weekend startet außerdem die 7. Berlin Biennale, eine der meistbeachtesten Veranstaltungen für moderne Kunst in Deutschland. Einige haben sicherlich schon die Plakate mit dem runenartigen Logo in Berlin und anderswo hängen sehen.

Kuratiert wird sie in diesem Jahr von Artur Zmijewski, über den der Spiegel schreibt, er sei ein Künstler, der sich als Anti-Künstler verstehe, sein Instrument sei der “Tabubruch, die bewußte Geschmacklosigkeit” und dass am Ende der Biennale in Berlin “ein großes, trotziges Zmijewski-Kunstwerk entstanden sein” wird. Er mache eben “Kunst, die endgültig keine sein will, sondern echter Aktivismus.”

Im Vorfeld der Biennale trat er mit seinem Video “Berek” (“Hasch mich”) in Erscheinung, bei dem eine Gruppe Nackter in der Gaskammer tanzt. Letzte Woche hat er in Berlin-Neukölln Birken aus dem ehemaligen KZ Birkenau pflanzen lassen und Martin Zet, einer der von ihm angeheuerten Künstler rief dazu auf 60.000 Exemplare von Thilo Sarazzins “Deutschland schafft sich ab” zu Verbrennungzwecken zu sammeln.

Dass aber Reflex nicht zwangsläufig mit Reflektion einhergeht und auch nicht alles Kunst ist, was von Künstlern produziert wird, hat die Gruppe Rosa Perutz in der aktuellen Ausgabe der Jungle World noch einmal auf den Punkt gebracht.

Hier sind Auszüge des lesenswerten Texts:

“Die von der Biennale proklamierte »Anwendbarkeit« der Kunst ist ein Aufruf zur real action, welche die hemmenden Diskurse der Kritik und die Zensur durch den Kunstmarkt überwinden soll. Die zum Programm erhobene Verschmelzung von Kunst und Politik löst die Kunst von ihrem konkreten gesellschaftlichen Zusammenhang und setzt sie stattdessen in einem dezisionistischen Akt als Symbol bedingungsloser Radikalität. Diese Radikalität bedarf zu ihrer Selbstdarstellung der von ihr selbst angeprangerten Autoritäten, der Zensur und der Tabus, die ständig behauptet werden müssen, um sich gegen sie auflehnen zu können.

Žmijewski hat es in seiner künstlerischen Arbeit vorgemacht: Koketterien mit dem Tabubruch wie sein geschmackloser Umgang mit der Shoa sind ein probates Mittel solcher Selbst­inszenierung, jede Kritik daran kann als Zensur durch die Mächtigen, die Medien, die Direktoren sogleich angeprangert werden. Politik wird dadurch als ein existentieller Kampf gegen und um die Macht inszeniert, in dem für Widersprüche und Ambivalenzen kein Platz ist. Žmijewski bedient mit seiner bombastischen politischen Symbolik zunächst einfach nur den kuratorischen Allgemeinplatz jeder beliebigen Biennale der Gegenwartskunst: Er schafft eine temporäre Kunstausstellung mit spektakulärem Eventcharakter und stellt die nach Berlin importierte, vermeintlich dissidente, in diesem Fall in erster Linie osteuropäische Kunstszene in einen politisch aufsehenerregenden Zusammenhang. Read the rest of this entry »

Ein Bild aus der Zukunft

„Wir sind ein Bild aus der Zukunft“ heißt es ab morgen Abend im Berliner Theater HAU3.

Aufbauend auf einer Idee der Performerin und Journalistin Margarita Tsomou und des Theoretikers und Autors Tim Stüttgen versammelt sich für „Wir sind ein Bild aus der Zukunft“ eine interdisziplinäre Gruppe von Künstlern aus unterschiedlichsten Bereichen, die das Stücck intermedial und kollektiv gestalteten:

Vom Electro-Musiker Can „Khan“ Oral zu der bildenden Künstlerin Katrin Mayer, vom queeren Wiener Theatermacher Gin Mueller über den b_books-Filmemacher Nicolas Siepen bis zum Performer Julian Meding.

und darum geht’s:

„Wir sind ein Bild aus der Zukunft“ stand während den Athener Riots 2008 auf den Hauswänden gesprüht – wir, die Forscher_innen eines militanten Youtube-Senders, verstehen dieses Graffiti als Prophezeiung.
Wir sind die selbsternannten Kinder von Gabi Teichert, die ihre Mutter in der Zeit-forschenden Lehrerin aus Alexander Kluges Film „Die Patriotin” fanden. In einem Sende-Studio schließen wir uns zusammen, um den Stand der Endzeit zu analysieren, die gekommenen Aufstände zu dokumentieren und den queeren Kommunismus herbei zu fabulieren. Es geht um nichts weniger als eine revolutionäre Recherche: was könnten die Bilder der Zukunft sein? Read the rest of this entry »

HATE. ist immer und überall

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Am Samstag, den 28. Januar, findet in Hamburg eine bundesweite, antifaschistische Demonstration statt, deren Anliegen und Aufruf wir voll und ganz unterstützen:

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 28. Januar 2012 in Hamburg
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Keine konkrete Gefährdung!

An dieser Stelle möchten wir das Schreiben dokumentieren, welches das LKA 5 (das sind die eher semiprofessionell vor sich hin fehleinschätzenden Experten vom polizeilichen Staatsschutz) aus Berlin Antifaschisten und Antifaschistinnen zukommen ließ, um sie davon zu unterrichten, dass sie auf Nazi-Seiten mit Foto und Beschreibung als “Linkskriminelle” vorgestellt werden. Aber unsere wackeren Kämpfer gegen den Extremismus geben sogleich Entwarnung: Es gibt keine “Anhaltspunkte für eine konkrete Gefährdung”! Diese Einschätzung würde der Empfänger von einem dieser Briefe freilich nicht unbedingt teilen: Im Sommer letzten Jahres wurde er bei einem Fussballspiel von Nazis erkannt und zusammengeschlagen. Aber das wissen die Spezialisten vom Landeskriminalamt 5 zu Berlin trotz erstatteter Anzeige wahrscheinlich sowieso nicht, das Führen von Anwesenheitslisten bei Demonstrationen nimmt ja nun auch wirklich schon genug Zeit ein.

Aktuelle HATE