Die deutsche Kulturförderung ist nützlich und schlimm. Keine Frage. Darüber braucht man nicht zu streiten. Worüber aber derzeit gestritten wird, ist die Frage, ob man sie braucht oder nicht. Ebendiese Frage versuchten im Spiegel vier “Experten” zu beantworten. Dort wird viel von Umbau geredet (richtig), aber irgendwie auch zu sehr so getan, als wäre die Kultur ein Angebot-Nachfrage-System, das sich ganz gut selber regeln könnte (falsch). Wie auch immer: Heute schaltet sich der großartige Regisseur Christoph Hochhäusler ein, der zwar ebenfalls ein Profiteur dieses Systems, aber eben auch ein eigenständiger Denker ist, der nicht nur nach Mehr oder Weniger schreit.

In der “Berliner Zeitung” gibt er einerseits folgendes zu bedenken:

Zunächst, als Skizze, der Status quo: Wir haben in Deutschland eine gebührenfinanzierte und milliardenschwere Fernsehbürokratie, die im Zusammenspiel mit hoffnungslos abhängigen Kleinunternehmern Kinofilme produziert. Dazu haben wir eine Filmförderung, die von eben jener Fernsehbürokratie kontrolliert wird, so dass Filme, die man einmal senden möchte, zweimal öffentliches Geld bekommen, aber deshalb noch lange keinen guten TV-Sendeplatz – und ins Kino geht ihretwegen auch niemand. Mit am Tisch sitzt das Privatfernsehen, es stinkt so billig und gibt doch den Ton an, weil „das wollen die Leute sehen“. In der Folge kommt es zu grotesken Verrenkungen der öffentlichen Anstalten.

aber eben auch dieses:

Warum also Filmförderung? Das ist eine heikle Frage. Ich versuche eine Antwort: Förderung, weil sich der Film, den wir brauchen, am Markt nicht rechnet und weil er deswegen womöglich gar nicht erst entstehen würde. Der Boden der Filmförderung ist spekulative Kapitalismus-Kritik, ja. Denn auch wenn manchmal so getan wird: Niemand glaubt, dass die öffentliche Hand eine Filmindustrie hervorbringen wird, die eines Tages selbst laufen lernt und Hollywood Paroli bietet.

“Aber welchen Film brauchen wir denn? Und weiß der „Konsument“ nicht am besten, was er braucht? Die Antwort ist ein klares Jein. Die Kunst ist ein missionarisches Unternehmen. Sie will zur Aufmerksamkeit verführen, zum Glück zwingen, die Augen öffnen. Mit Demokratie hat sie nichts am Hut. Keine Abstimmung über Alexander Kluge bitte! Aber natürlich ist es doch das Publikum, sind es die Liebhaber und sogenannten einfachen Menschen, die einer Idee zur Wirkung verhelfen am Ende des Tages. Es geht hier nicht um elitäre Kunst, sondern um das Unbezahlbare, den irrationalen Rest, der haften bleibt in den Gedanken und unsere Sicherheit gefährdet. Ich glaube, Film kann ein Werkzeug sein, um unsere Sinne und Begriffe zu schärfen. Immer geht es um die Frage: „Was ist wirklich?“ Der Film, den ich meine, bewegt sich an der Grenze, attackiert das Namenlose, ist Poesie. Je mehr ich weiß über unser System, desto schwerer fällt es mir, Empfehlungen abzugeben.

Die Diskussion darüber, wer was bekommen soll, ist also eröffnet. Wer weiß, was dabei herauskommt. Wahrscheinlich nur hirnloser Abbau. Eventuell bleibt auch alles beim Alten. Ab und zu ist es aber eben doch mal ganz erfrischend, wenn jemand gegen die Staubschicht des deutschen Kulturbetriebs pustet.

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