Das BMW Guggenheim Lab: Wollt ihr den totalen Partizipationsterror? DANN BASTELT!

Ziel ist die Erforschung von und das Experimentieren mit neuen Ideen sowie die Entwicklung zukunftsweisender Lösungsansätze für das Leben in der Stadt.

Als ich Anfang der Nullerjahre das erste Mal den Pfefferberg betrat, waren die Wege schotterig bis nicht vorhanden, die Bauten ruinös und eine Leuchtschnur wies den Weg zum mittwöchlichen Mittwochsclub. Zehn Jahre später hat sich das ehemalige Brauereigelände seiner Umgebung angepasst, links und rechts der asphaltierten Wege wirbt Funktionsgastronomie mit Pizza, Pasta und Steak um Rast suchende Berlinbesucher. Die Umgebung des Pfefferbergs ist längst Düsseldorf, die Postmauerfallmélange hat sich nicht wahrnehmbar in den Stadtraum einschreiben können, es blitzt und glänzt aller Orten. Read the rest of this entry »

Stille Post

Liebe Spex,

wir kennen das ja schon von euch, dass ihr einfach Texte druckt, bei denen ihr aus Versehen den Credit vergesst.

Wir würden an dieser Stelle allerdings gerne dann doch darauf hinweisen, dass wir euch natürlich keinen Leserbrief geschrieben haben, sondern uns lediglich über die schier der Grether-Schwestern amüsierten.

Dennoch viel Glück in den nächsten Monaten. Wir wünschen es nämlich (fast) keinem Magazin, dass es eingestellt wird.

Liebe Grüße,

deine HATE.

(diesmal wirklich)

Frau Schweinemett blickt auf: Mai

Die Wärme lockte wieder die Verrückten aus ihren Löchern, so auch mich. An einem sonnigen Tag stand ich mit meiner Freundin und zahlreichen Hutschachteln an der Bushaltestelle. Wir hatten uns den ganzen Abend mit den Vengaboys aufgepeitscht und warteten nun auf den Venga-Bus, der uns nach Ibiza bringen würde.  Nach knapp fünf Minuten kam ein alter Mann auf einem Drahtesel angefahren. Er klingelte stakkato und rief: „Ahhhhh Urlaub, da habt ihr Zeit zum Lesen!“ Er wühlte ein paar kopierte Zettel aus seinem Jutebeutel, drückte sie uns in die Hand und fuhr schnell davon. Es stellte sich heraus: Er ist der Altruist, wie er sich ein wenig selbstherrlich und mit der klaren Selbstwahrnehmung eines trüben Fischteichs nennt und er hatte natürlich etwas festgestellt. Read the rest of this entry »

Künstliche Paradiese

Wer HATE liest, weiß, dass Natur natürlich nicht ist. Natur ist ein Anderes. Mal ein Zertifikat auf der Milch, mal ein Phantasma von gestressten Großstädtern. Seit den 1980er Jahren gibt es eine Forschungsrichtung, die selbst die so genannten Naturwissenschaften mit ihren hard facts auf eine weiche, das heißt auf eine genauso soziale “Fabrikation der Erkenntis” (Karin Knorr-Cetina) zurückführt. Und wenn Bruno Latour das vom Kopf auf die Füße – oder andersherum – stellt wenn er schreibt  ”technology is society made durable”, dann sollte klar sein, dass Natur technisch, sozial, kulturell, und Wasauchimmer ist – aber ganz bestimmt nicht natürlich. Nun gibt es einen Film, der in dieser Tradition steht, und die Gemachtheit der Natur ausstellt und unbedingt anzuschauen ist. Er trägt den unschuldigen Titel “Alpi” und ging aus einem Forschungsprojekt hervor, das Armin Linke initierte. Im Film geht es um die gegenwärtige Wahrnehmung der Alpen, um deren augenscheinliche Natürlichkeit und ihrer Konservierung ein gigantischer industriell-wissenschaftlicher Komplex sich bemüht. Er handelt von den sozialen, ökonomischen und politischen Verstrickungen, in denen die Alpen stecken und davon, warum die Alpen bis nach Dubai reichen. Bruno Latour schreibt über “Alpi”:

Going to the Alps? Thinking of trekking outdoors? Dreaming of skiing in Switzerland? Watch Armin Linke’s film first. Beware. You will always be inside, deep inside laboratories, factories, ski resorts, or Swiss bunkers hidden in the mountains. Nature? Who speaks of nature and wilderness? … Yes, for sure, you will see the Alps but as they have been reconstructed inside a shopping mall in Dubai – a theme park for skiers who have just dismounted from their camels – as a painting inside an art gallery, or as a ‘virtual tour’ inside the train that leads Japanese tourists to the Jungfraujoch – and when they alight eventually on the platform they see nothing but deep fog! Never outside, that’s the whole point … 

The radical move so beautifully displayed in this work of art: capture the absorption of the outside by the inside so that the envelopes may be made visible from within. As if we could see through them. But humans are no more able to live ‘outside’ than cosmonauts out of their space station. What they do is more interesting: they rehearse what they would do outside if ever they manage to reach it. One day. Finally outdoors …

What is most extraordinary is that Alpi manages to show this introverted existence, those artificial sites, those highly technical and scientific encounters, those mines and bunkers and factories, those cultural Umwelt, without either conniving with them or criticizing them. This is the most uncritical film ever made about the utter artificiality of the modern world. But ‘uncritical’ has to be taken just as positively as ‘artificial’. Why? Because no critique could see further and higher and more globally than the poor souls trapped inside their bunkers.

“Alpi” läuft z.B. am 17. Juni, 20 Uhr, im Berliner Arsenal Kino.

 

“Shaven gegen Deutschland”

Bild via

Es ist so verkrampft und dumm, wie unverkrampft dumm Krampfland krampft. Bart wachsen lassen für Krampfland solange es im Turnier ist, sodass es ein Volk werde. Dass Bärte beim Küssen vielleicht einfach sauekelig sind – geschenkt. Es geht schließlich ums Vaterland.

“Nie war Antinationalismus so einfach”, schreiben die Hannoveraner von :

Neue Deutsche Buntheit

Foto via

Seltsam nur, daß die “fremden Kulturen” im Zeitalter ihrer vermeintlichen Dekonstruktion dem eigenen Abziehbild stärker ähneln als je. Dies zu überprüfen, genügt der Besuch des größten alternativen Ethno-Events der Hauptstadt, des Berliner “Karnevals der Kulturen”, auf dem “Stern”- und “Bild”-Leser in ungewohnter Eintracht mit postkolonialen Gender-Linken ethnisch korrekt herausgeputzten Minoritätendarstellern bei ihren krampfig-originiellen Performances zujubeln. Diese jährliche Großveranstaltung, die traditionell mit zünftigen Urinier- und Kotzorgien in Kreuzberger Hausfluren endet, ist der sinnfällige Beweis für die Konvergenz von Chsristopher Street Day und Oktoberfest. Was in den achtziger Jahren mehrheitlich noch als Störung der tristen öffentlichen Ordnung wahrgenommen wurde, begrüßen die Vertreter dieser Ordnung heute als authentischen Ausdruck neuer deutscher Buntheit. Einer Buntheit allerdings, die sich nicht der entspannten Individualität verdankt, sondern dem Patchwork der ethnisierten Minderheiten, deren Angehörige immer stärker unter sich sind, je toleranter ihre Milieus koexistieren.

Magnus Klaue in der aktuellen Konkret über “Ethnomarketing”, der neusten Strategie zur Versöhnung von Kosmopolitismus und Sippenzwang.

Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten Teil 2: Gavioes da Fiel

Nach Mancha Verde folgen heute die Bilder, die machte, als er mit Gavioes da Fiel unterwegs war: Read the rest of this entry »

Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

Während die deutsche Presse in den letzten Wochen fern jeder Realität bereits beim Entzünden eines Bengalos von bürgerkriegsähnlichen Zuständen in deutschen Stadien schwadronierte, kam es am 25. März in Brasilien vor dem Spiel Palmeiras gegen Corinthians in São Paulo bei Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen Mancha Verde (P) und Gavioes da Fiel (C) zu zwei Todesfällen: André Alves und Guilherme Vinicius Jovanelli; von der Gruppe Mancha Verde wurden durch Schüsse getötet. Der Fotograph hatte einige Wochen zuvor beide Gruppen besucht, ist mit ihnen zu Spielen gefahren und hat Fanatismus, Freude und Emotionen in all ihren Facetten festgehalten. Los geht es mit Palmeiras, morgen folgt dann Corinthians: Read the rest of this entry »

Bilder aus der blockierten Stadt

Weder ergoß sich die brutale Welle gewalttätiger, sogenannter “Demonstranten” über Frankfurt, zermetzelte die verschreckten Ladenbesitzer und fackelte das glasverkleidete Herz der Stadt nieder, wie das hysterisierte Stadtgespräch in einigen Fällen durchaus annahm, noch wälzte sich ein Bandwurm verkürzter Kapitalismuskritiker mit Truther-Transpis und Wursthaar-Bapperln durch die Innenstadt, um Bänker zu lynchen, wie das die antideutschen Prognoseapparate im Vorfeld verlautbaren ließen. Blockupy in Frankfurt am Main war ein heterogener Artikulationsversuch (natürlich auch mit allen negativen Implikationen, also u.a. ATTAC, Wutbürgern aus dem Ländle, ARAB und Palibinkelträger), der an einem warmen Samstag in einem bunten Zusammenkommen von Menschen mündete, die das Unbehagen auf die Straße trieb. Nicht mehr und nicht weniger. Read the rest of this entry »

спасибо

« Previous Next »

Aktuelle HATE